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129 Die vorliegenden Vorträge sind gehalten im Rahmen des ersten anthroposophischen Hochschulkurses, welcher, vom 27. September bis 16. Oktober 1920, mit der Fülle von gegen 100 Vorträgen und künstlerischen Veranstaltungen die Tätigkeit im Goetheanum eröffnete. Am Vorabend des Kurses fand eine «Eröffnungshandlung» statt, welche zum ersten Mal die Teilnehmer im Großen Kuppelsaal des Goetheanumbaues versammelte. In den Worten Rudolf Steiners aus der einleitenden Ansprache drückt sich das Besondere des Augenblickes aus: «Aus bewegter Stimmung heraus und mit ernster Seele spreche ich jetzt dieses erste der Worte, die in diesem Raum der Geisteswissenschaft gewidmet sein sollen. Ernst muß die Stimmung sein. Die Not der Zeit steht im Hintergrunde, und alles dasjenige, was aus negativem Geistesleben heraus in diese Not der Zeit hineingeführt hat. Aber vor meiner Seele steht heute auch alles dasjenige, was auch aus einer solchen Zeit heraus von verstehenden und für die Entwickelung der geistigen Menschheitszukunft begeisterten Seelen getan worden ist, damit dieser Bau, in dem wir jetzt den ersten Hochschulkursus für Geisteswissenschaft beginnen, wenigstens hat bis zu diesem Stadium geführt werden können. Dankbarst muß aus dem Geiste der hier gemeinten Wissenschaftsrichtung heraus gedacht werden jener schönen Gesinnung und ihrer Kraft, die da war bei all den materiellen und geistigen Helfern zu dem, was hier zustande kommen soll. Und vor allen Dingen möchte ich mich jetzt auch an diejenigen zahlreichen Freunde unserer Sache wenden, welche zu diesem Kursus hier erschienen sind. Diejenigen, die zu diesem Kursus hier erschienen sind, zeigen ja damit, daß sie wenigstens erwarten von dem, was hier getrieben wird, etwas, das die ernste Not unserer Zeit, das die besondere Artung unseres Geisteslebens in der Gegenwart fordert.»
Der Bau war noch nicht vollendet. Nicht seiner Eröffnung sollte die Feier gewidmet sein, doch aber dem Beginn der Tätigkeit im Bau, der dieser Tätigkeit die ihr gemäß gestaltete künstlerische Hülle zu geben bestimmt war.
Der umfassende Inhalt des Hochschulkurses selbst klingt auf in dem Vorblick, welchen die eröffnende Ansprache auf die kommenden Wochen wirft: «Ein anderes Zeichen der Zeit ist das doch schon, daß zu diesem Hineintragen unseres Geistes in alle einzelnen Wissenschaften 33 Persönlichkeiten sich zusammengefunden haben, die in unserem Kursus von den verschiedensten Gesichtspunkten aus Geisteswissenschaft treiben werden. 33 Dozenten werden dasjenige, was hier als geistiger Impuls gegeben werden soll - man darf sagen - in 17 verschiedene Zweige des menschlichen Wissens und Empfindens und Arbeitens hineintragen. Wir werden hören vortragen über Philosophie, Theologie, über Geschichte, über Sprachwissenschaft, über Physik und Mathematik, über Chemie und Medizin, über Indologie, über Jurisprudenz und Pädagogik. Wir werden hören dasjenige, was künstlerische Naturen über den geistigen Untergrund und die geistigen Kräfte ihrer Kunst zu sagen haben. Wir werden hören, was aus der Dichtung heraus der schöpferische Geist über seinen Zusammenhang mit dieser unserer Geisteswissenschaft zu sagen hat. Persönlichkeiten der Technik werden sprechen, und was besonders zu begrüßen ist als ein Erfreuliches, es werden Praktiker der Nationalökonomie, Praktiker des Geschäftslebens sprechen.
130 Und es gehört zu den Fortschritten, die wir vor allen Dingen anstreben, daß das Leben als Einheit aufgefaßt wird, daß dasjenige, was in philosophische Höhen hinaufführt, eine Einheit bilde mit dem, was der Fabrikdirektor in seiner Fabrikpraxis bis in die Einzelheiten hinein im praktischen Leben zu verwerten hat. Daß Fabrikpraktiker innerhalb unseres Kursus sprechen werden, wir begrüßen es mit ganz besonderer Freude.»
Vorliegende Vorträge sind der umfangreichste, aber nicht der einzige Kurs, welchen Rudolf Steiner selber während der Hochschulwochen gab. Der Große Kuppelsaal des Baues, in welchem sie stattfanden, brachte es natürlicherweise mit sich, daß Rudolf Steiner auch über den Bau sprach. Es sind die drei Vorträge «Der Baugedanke von Dornach» (Nr. 288 in: Rudolf Steiner, Das literarische und künstlerische Werk. Eine Bibliographie). In besonderen Bänden sind schon in der Gesamtausgabe erschienen die Vorträge «Die Kunst der Rezitation und Deklamation» und «PhysiologischTherapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft», Dornach 1967 bzw. 1965. Die Eröffnungsansprache und die Abschiedsworte erscheinen in den Bänden Bibl.- Nrn. 253 und 255, die Diskussionsvoten, Fragebeantwortungen und Eurythmie-Ansprachen in Bibl.-Nrn. 244, 277, 280, 297 und 337.


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10 während noch Kant gesagt hat, es werde sich niemals ein Newton finden: Siehe «Kritik der Urteilskraft» (Text Ausg. 1790) § 75: «Es ist nämlich ganz gewiß, daß wir die organisierten Wesen und deren innere Möglichkeit nach bloß mechanischen Prinzipien der Natur nicht einmal zureichend kennenlernen, viel weniger uns erklären können und zwar so gewiß, daß man dreist sagen kann, es ist für Menschen ungereimt, auch nur einen solchen Anschlag zu fassen, oder zu hoffen, daß noch etwa dereinst ein Newton aufstehen könne, der auch nur die Erzeugung eines Grashalms nach Naturgesetzen, die keine Absicht geordnet hat, begreiflich machen werde, sondern man muß diese Einsicht den Menschen schlechterdings absprechen«. - Diesen Satz zitiert Haeckel in Kapitel 14 seiner «Welträtsel» und fügt bei: «Siebenzig Jahre später ist dieser unmögliche <Newton der organischen Natur> in Darwin wirklich erschienen und hat die große Aufgabe gelöst, die Kant für unlösbar erklärt hatte.»
12 Emil Du Bois-Reymond, 1818-1896. «Über die Grenzen des Naturerkennens», Leipzig 1872. - «Die sieben Welträtsel», Vortrag gehalten in der öffentl. Sitzung der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin zur Feier des Leibnizischen Jahrestages am 8. Juli 1880, Leipzig 1882.
15 nach dem Muster… der alten Penelope: Penelope, Gemahlin des Odysseus. Von ihr erzählt Homer in der «Odyssee», wie sie sich der Freier, die sich durch das lange Ausbleiben des Odysseus eingestellt haben, dadurch erwehrt, daß sie vorgibt, sie müsse vorerst das Leichengewand für Odysseus' Vater weben. Sie löst aber des Nachts immer wieder auf, was sie tagsüber gewoben hat.
18 David Hume, 1711-1776, engl. Philosoph.

John Stuart Mill, 1806-1873, engl. Philosoph.

William James, 1842-1910, amerikanischer Philosoph und Psychologe, Begründer des Pragmatismus.
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18 Johann Friedrich Herbart, 1776-1841, deutscher Philosoph, Psychologe und Pädagoge.
21 Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770-1831.

Eduard von Hartmann, 1842-1906. In «Philosophische Fragen der Gegenwart», Leipzig und Berlin o. J. (1885), S. 3 heißt es: «Daß unsere Studenten gar nicht daran denken, in Hegels Werken zu lesen, darüber braucht man sich nicht zu wundern, wenn man bedenkt, daß, abgesehen von dem Philosophiehistoriker Kuno Fischer und dem Ästhetiker Carriere, die noch nicht Greisenhaften unter unsern Philosophieprofessoren selber wohl höchstens einen gelegentlichen Blick der Curiosität halber hineingeworfen haben und daß die jüngere Generation derselben* kaum noch die nötige philosophische Vorbildung besitzt, um Hegels Schriften, falls sie dieselben lesen wollte, zu verstehen.» * Fußnote: «Nach dem Tode von Paul Asmus dürften Adolf Lasson und Joh. Volkelt die einzigen hegelisch gebildeten Dozenten sein.»
22 Karl Rosenkranz, 1805-1879.
23 Karl Marx, 1818-1883.
24 Max Stirner (Pseudonym für Caspar Schmidt), 1806-1856. Siehe «Der Einzige und sein Eigentum», Leipzig 1845.
28 Im Spektrum erscheint mir Gelb: Vgl. «Entwurf einer Farbenlehre» § 145-177 in «Goethes Naturwissenschaftliche Schriften», hg. von Rudolf Steiner, Bd. III (Kürschners Dtsch. Nat. Lit. Bd. 116) und die Ausführungen Rudolf Steiners in «Goethes Weltanschauung», Gesamtausgabe Dornach 1963, Bibk-Nr. 6, S. 163 f.
29 John Locke, 1632-1704, Begründer des erkenntnistheoretischen Empirismus.
30 Wilhelm Koppelmann, 1860-1934. «Weltanschauungsfragen. Grundlinien einer Lebensphilosophie», Berlin 1920, Kap. I, Abschn. II.
31 durch die wir uns verbinden mit: Die Nachschrift hat «drinnenstehen» statt «uns verbinden».
34 Begriff des Bewegungsparallelogramms und… des Kräfteparallelogramms: Vgl. dazu auch die Ausführungen Rudolf Steiners in «Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwickelung der Physik» (Erster Naturwissenschaftl. Kurs), zehn Vorträge, Stuttgart 23. Dezember 1919-3. Januar 1920, Gesamtausgabe Dornach 1964, Bibl.-Nr. 320, S. 32 f.
38 wenn ich diesen Ausdruck Platos gebrauchen darf: Mit dem platonischen Ausdruck von der Mathematik, die lebensvoll tätig ist, ist wohl das Wort gemeint: «Gott geometrisiert fortwährend». Es ist durch die «Tischgespräche» des Plutarch überliefert, wo im 8. Gespräch, zu Ehren von Platos Geburtstag, von den Teilnehmenden die Frage erörtert wird, «in welchem Sinne Plato sagte, daß Gott fortwährend geometrisiert?» Plutarch fügt hinzu, daß dieses Wort sich zwar in keiner der Schriften Platos finde, aber dennoch sehr echt klinge und ganz aus seinem Geiste sei.
42 Novalis, Friedrich von Hardenberg, 1772-1801. Zitat nicht wörtlich; siehe «Mathematische Fragmente», IV. Bd. der ges. Werke, hg. von Carl Seelig, Zürich 1946, insbesondere die Fragmente der letzten Jahre (1799-1800).
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45 Goethe hat seine Beziehung zur Mathematik in sehr interessanten Abhandlungen .. . behandelt: Siehe «Entwu rf einer Farbenlehre / Verhältnis zu Mathematik», § 722-729 (Goethes Naturwissenschaftl. Schriften, hg. von Rudolf Steiner. Bd. III), «Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt», «Über Mathematik und deren Mißbrauch» (Bd. II) und «Sprüche in Prosa. Abtl.: Mathematik» (Bd. 1V/2).

Wir suchen die Urphänomene: Wörtlich: «Diese Bedächtigkeit, nur das Nächste ans Nächste zu reihen, oder vielmehr das Nächste aus dem Nächsten zu folgern, haben wir von den Mathematikern zu lernen, und selbst da, wo wir uns keiner Rechnung bedienen, müssen wir immer so zu Werke gehen, als wenn wir dem strengsten Geometer Rechenschaft zu geben schuldig wären». - «Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt», a. a. O. Bd. II, S. 19.
48 ein in äußerer Naturwissenschaft gut gebildeter Mann beschreibt: Die geschilderte Episode findet sich in «Das unterbewußte Ich und sein Verhältnis zu Gesundheit und Erziehung» von Dr. Louis Waldstein, übers, von G. Veraguth, Wiesbaden 1908, S. 34.
50 Goethe schrieb es seinem guten Schicksal zu, daß er niemals über das Denken gedacht habe:

«Wie hast du's denn so weit gebracht?
Sie sagen, du habest es gut vollbracht!»
Mein Kind! Ich hab es klug gemacht;
Ich habe nie über das Denken gedacht. -


Zahme Xenien VII.

51 Ich mußte etwa sagen von diesem Denken: Siehe die Vorrede zum zweiten Band von «Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften», 1887 (Kürschners Dtsch. Nat.-Lit. Bd. 115) wo es auf S. IV heißt: «Indem sich das Denken der Idee bemächtigt, verschmilzt es mit dem Urgründe des Weltendaseins; das, was außen wirkt, tritt in den Geist des Menschen ein: er wird mit der objektiven Wirklichkeit auf ihrer höchsten Potenz eins. Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des Menschen,»
52 Eduard von Hartmann, siehe Hinweis zu S. 21.
54 moralische Phantasie: Siehe das XII. Kapitel der «Philosophie der Freiheit».
59 Max Stirner, siehe Hinweis zu S. 24.

John Stuart MM, siehe Hinweis zu S. 18.

Herbert Spencer, 1820-1903, engl. Philosoph.
66 ff. Es wird .. . seit einer gewissen Zeit eine merkwürdige Krankheit beschrieben: Für die im Folgenden behandelten pathologischen Zustände benutzte Rudolf Steiner die Darstellungen des franz. Arztes A. Cullerre «Die Grenzen des Irreseins», ins Deutsche übersetzt von Otto Dornblüth, Hamburg 1890.
69 Friedrich Husemann, 1887-1959, Facharzt für Psychiatrie. Während des Hochschulkurses sprach Dr. Husemann in drei Vorträgen vom 27.-29. September über «Psychiatrische Fragen vom Gesichtspunkte der Anthroposophie», die im Band I/II der Goetheanum-Bücherei «Aenigmatisches aus Kunst und Wissenschaft. Anthroposophische Hochschulkurse», Stuttgart 1922 erschienen sind.
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69 f. Friedrich Nietzsche, 1844-1900. «Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik», 1872; «Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister», 1878.
69 Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, 1848-1931, Altphilologe. Schrieb «Zukunftsphilologie. Eine Erwiderung auf Friedrich Nietzsches <Geburt der Tragödie»», Berlin 1872.
70 Erwin Rohde, 1845-1898, Altphilologe. Schrieb als Erwiderung: «Afterphilologie. - Zur Beleuchtung des von dem Dr. phil. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff herausgegebenen Pamphlets: <Zukunftsphilologie!>. Sendschreiben eines Philologen an Richard Wagner», Leipzig 1872.
70 Auguste Comte, 1798-1857, franz. Philosoph, Mitbegründer des Positivismus. Eugen Dühring, 1833-1921, Philosoph und Soziologe.
71 in meinen Auseinandersetzungen mit Haeckel können Sie das genau verfolgen: Im Kapitel «Darwinismus und Weltanschauung» der «Rätsel der Philosophie» (Gesamtausgabe Dornach 1968, Bibl.-Nr. 18). Siehe auch «Haeckel und seine Gegner», 1900; wieder abgedruckt in «Methodische Grundlagen der Anthroposophie. 1884-1901», Gesamtausgabe Dornach 1961, Bibl.-Nr. 30.

den .. . der behandelnde Arzt einmal als einen atypischen Fall der Paralyse bezeichnete: es ließ sich nicht genau ermitteln, von wem diese Diagnose gestellt wurde. Daß sie bestand, bezeugt auch Elisabeth Förster-Nietzsche in «Das Leben Friedrich Nietzsche's» Bd. II, 2 (1904), S. 922: «Die Ärzte nannten seine Krankheit <eine atypische Form der Paralyso d. h. eine Paralyse, die durchaus nicht die Kennzeichen dieser Krankheit trug…» Indirekt ergibt sich das Bestehen dieser Diagnose auch aus den Ausführungen E. F. Podachs über die Krankheit Nietzsches: «Die progressive Paralyse, diagnostiziert von L. Wille (Basel) und O. Binswanger (Jena), hat Möbius keinen Moment angezweifelt. Er vermied es sogar, von einer (wegen der langen Krankheitsdauer) <atypischen Paralyso bei Nietzsche zu sprechen.» (E. F. Podach, «Die Krankheit Nietzsches», Deutsches Ärzteblatt Nrn. 1 und 2 vom 4. und 11.1.1964.)
72 das Phänomen Nietzsche … stand mir… vor Augen: Vgl. dazu auch «Mein Lebensgang» Kap. XVIII, Gesamtausgabe Dornach 1962, Bibl.-Nr. 28, S. 252 f.
73 Goethe sagt: Die Natur hat kein Geheimnis: In den Annalen zu 1790 heißt es: «Als ich auf den Dünen des Lido, welche die venetianischen Lagunen von dem adriatischen Meere sondern, mich oftmals erging, fand ich einen so glücklich geborstenen Schafschädel, der mir nicht allein jene große, früher von mir erkannte Wahrheit, die sämtlichen Schädelknochen seien aus verwandelten Wirbelknochen entstanden, abermals bestätigte, sondern auch den Übergang innerlich ungeformter, organischer Massen durch Aufschluß nach außen zu fortschreitender Veredelung höchster Bildung und Entwicklung in die vorzüglichsten Sinneswerkzeuge vor Augen stellte und zugleich meinen alten, durch Erfahrung bestärkten Glauben wieder auffrischte, welcher sich fest darauf begründet, daß die Natur kein Geheimnis habe, was sie nicht irgendwo dem aufmerksamen Beobachter nackt vor die Augen stellt». Goethes Naturwissenschaftl. Schriften Bd. I (Dtsch. Nat. Lit. Bd. 114), S. 316.
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73 Carl Westphal, 1833-1890, deutscher Psychiater. Von ihm wird im Jahre 1872 («Archiv für Psychiatrie») die Agoraphobie beschrieben. Agoraphobie: Angst vor offenen Plätzen.

Jean Pierre Falret, 1794-1870, franz. Arzt.

Klaustrophobie: Angst in geschlossenen Räumen, beschrieben durch Professor Ballt Paris, «De la Claustrophobie», Ann. me'd.-psychol., 1879.

Astraphobie: Gewitterfurcht, beschrieben durch Beard, «Chicago Journal of nervous and mental Diseases», 1874. Vgl. für diese Krankheitsformen den zweiten Abschnitt, S. 32 ff. des oben bereits erwähnten Werkes von A. Cullerre.
79 werde … bei einer anderen Gelegenheit: Im 7. und 8. Vortrag dieses Bandes, welche nicht im Rahmen des Hochschulkurses angekündigt waren, sondern außerhalb der Kurszeit angefügt wurden.
81 Ein Fall, der in der medizinischen Literatur beschrieben ist: «Herr Albert G., 27 Jahre alt, Infanterieleutnant, geistig hoch begabt, hat viel gelesen und ist ein angenehmer Erzähler. Er hat einige Neigung für Luteratur, Poesie und Musik, nennt sich Alterthumsforscher. Er ist außerordentlich mäßig und wurde 1870, mit zwanzig Jahren, für eine tapfere That mit einem Orden geschmückt. Seine Gesundheit ist stets ausgezeichnet gewesen, doch hat er ungefähr mit dreizehn Jahren drei Monate an Veitstanz gelitten. Sein Vater ist an Schlagfluß gestorben, seine Mutter hat einigemal Krämpfe gehabt und eine seiner deutschen Cousinen ist während eines Vierteljahres in einer Irrenanstalt behandelt worden.
Im Jahre 1872, während er in einer großen Stadt in Garnison war, geht er eines Morgens in Civilkleidung über einen ganz öden öffentlichen Platz und bekommt Angst. Er sieht sich ringsum, bemerkt Niemand, fühlt wie er ein wenig schwach wird und fragt sich, ob er nicht wieder umkehren soll. Er zögert, kann seine Erregung kaum bemeistern, unterscheidet genau die Gegenstände, zittert aber und kommt nicht vorwärts. Dann in eine enge Straße gelangt, ist er ganz wohl, empfindet nichts mehr und beachtet das Vorgefallene nicht mehr.
Einige Tage darauf überschreitet er denselben Platz zur gleichen Stunde in Uniform, den Säbel an der Seite, empfindet nichts Besonderes und legt noch zu wiederholten Malen am Tage oder am Abend ohne das geringste Unbehagen in Civil und zu Pferde denselben Weg zurück.
Eines schönen Tages geht er zu einem Freunde, der in einem dritten Stock wohnt, und erwartet ihn rauchend auf seinem Balkon. Er wirft die Augen auf die ihn umgebende Leere, wird verwirrt, bleich, roth, fröstelt, verläßt den Balkon, kehrt in das Zimmer zurück, setzt sich mit dem Rücken gegen die Balkonthür und beruhigt sich allmählich, verliert die Geduld, geht trällernd die Treppe hinab, geht vergnügt zwanzig Minuten weit, kommt in sein gewöhnliches Speisehaus, findet seine Kameraden vor und ißt mit bestem Appetit zu Mittag.
Eines Morgens nimmt er an großen Manövern theil und erhält den Befehl, sich drei Kilometer weit nach einer Mühle zu begeben. Kaum ist dieser Offizier an seinem Bestimmungsorte angelangt und beginnt zu zeichnen, als er bei dem Anblick einer weiten Ebene erschrickt, zittert, ganz bleich und außer sich in die Wohnung des Müllers geht, sich für unwohl infolge von Sonnenstich ausgiebt und um eine Tasse Milch bittet. Zehn Minuten später geht er hinaus, fragt einen
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81 Knaben über die Oertlichkeit aus und läßt ihn neben sich sitzen, während er zeichnet; dann belohnt er ihn und entfernt sich. Mehrere Male besucht er in Civükleidung zu Fuß denselben Platz und wird von derselben Angst erfaßt, während er in Uniform und den Säbel an der Seite den gleichen Weg ungestraft zurücklegen kann.» Zitiert aus dem oben genannten Werk von A. Cullerre, S. 35 f.
83 bei anderer Gelegenheit: Siehe den Hinweis zu S. 79.
86 Adolf Arenson, 1855-1936. Hielt während des Hochschulkurses vier Vorträge über «Grundzüge geisteswissenschaftlicher Methodik» am 27., 28., 30. September und 1. Oktober, wovon der einleitende erste abgedruckt wurde in «Kultur und Erziehung», Stuttgart 1921.

als ich … hier vor fast vierzig Ärzten … vorgetragen habe: Siehe «Geisteswissenschaft und Medizin», zwanzig Vorträge, Dornach 21. März-9. April 1920, Gesamtausgabe Dornach 1961, Bibl.-Nr. 312.
88 für den Begriff des Kapitals, …de r Arbeit , …de r Ware: Sieh e hierfü r auc h die Ausführungen Rudolf Steiners in «Die Kernpunkte der sozialen Frage», Gesamtausgabe Dornach 1961, Bibl.-Nr. 23.
93 über diesen Punkt werde ich noch hier vor Ihnen sprechen: Ein Verzeichnis von Ausführungen Rudolf Steiners über die Sinneslehre findet sich in den Hinweisen zum Bande «Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist», zweiter Teil, Gesamtausgabe Dornach 1967, Bibl.-Nr. 206, S. 203.
94 Edmund Husserl, 1859-1938, deutscher Philosoph; Begründer einer Phänomenologie eigener Richtung.

Max Scheler, 1874-1928. Siehe auch «Mein Lebensgang», Kap. XXXV, wo Steiner seine Begegnung mit Scheler schildert. - Scheler behandelte das Problem des fremden Ich zunächst im Anhang seiner Schrift «Zur Phänomenologie und Theorie der Sympathiegefühle und von Liebe und Haß», Halle a. d. S. 1913, und widmete ihm dann in der zu «Wesen und Formen der Sympathie» umbenannten zweiten Auflage (1923) ein Hauptkapitel.
100 Goetheschen Metamorphosenlehre: Vgl. «Die Metamorphose der Pflanze» und, für das Pathologische insbesondere, «Verfolg / Nacharbeiten und Sammlungen», S. 147 ff. im ersten Bande von Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, hg. von Rudolf Steiner (Dtsch. Nat. Lit. Bd. 114).

diese Reden Buddhas mit ihren Wiederholungen: Vgl. «Die Reden Gotamo Buddhos», zum ersten Mal übersetzt von Karl Eugen Neumann, 3 Bde, München 1922.
101 Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis: Aus «Sprüche in Prosa», 11. Abt.: Kunst, in «Goethes Naturwissenschaftl. Schriften» Bd. IV/2 (Dtsch. Nat. Lit. Bd. 117), S. 494. Wörtlich: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.»
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104 *Die sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe»: Siehe Bd. III (Dtsch. Nat. Lit. Bd. 116) von «Goethes Naturwissenschaftl. Schriften».
106 was… die Lehre von den zwölf Sinnen ist: Siehe den Hinweis zu Seite 93. Fünf bis sechs Jahre lag der Anfang des Gedruckten .. . in der Druckerei: Das Manuskript erschien unter dem Titel «Anthroposophie. Ein Fragment aus dem Jahre 1910», Dornach 1951. In der Gesamtausgabe - durch neu aufgefundene Manuskriptteile erweitert - vorgesehen unter Bibl.-Nr. 45.
112 als ein besonderes Kapitel einer deutschen Goethe-Biographie: der GoetheBiographie von A. Bielschowsky, 2 Bde, München 1896-1904. Das Manuskript findet sich abgedruckt in «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe» Nr. 46 (1974).
119 Heilige Therese, 1515-1582.

Mechthild von Magdeburg, um 1212-ca. 1280.

Meister Eckhart, um 1260-1327.

Johannes Tauler, 1300-1361.

Über Eckhart und Tauler vgl. Rudolf Steiner «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung», Gesamtausgabe Dornach I960, Bibl.-Nr. 7.
125 Carl Ludwig Michelet, 1801-1893. Der von ihm herausgegebene Band «Vorlesungen über die Naturphilosophie» als der «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften zweiter Teil», (Bd. VII, 1. Abt. der vollst. Ausg. der Hegelschen Werke), bringt den Text Hegels aus dessen eigener, einbändigen Ausgabe der «Enzyklopädie», zwischen welchen in Form von Zusätzen nachgelassene Vorlesungsmanuskripte aus den verschiedenen Epochen und Stellen aus Kollegnachschriften der Schüler Hegels hineingearbeitet sind. - Die Vorrede Michelets von 1841 widerspiegelt die Spannung und Ungewißheit, mit welcher der Hegelschüler dem Auftreten Schellings in Berlin entgegensieht.

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, 1775-1854. Vgl. seine frühen Entwürfe zur Naturphilosophie: «Ideen zu einer Philosophie der Natur», 1797, «Von der Weltseele», 1798, «Erster Entwurf eines Systems der Naturphilosophie», 1799, «Einleitung zu dem Entwurf der Naturphilosophie», 1799. - «Bruno oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge», 1802. schöne Schrift über die menschliche Freiheit oder den Ursprung des Bösen: «Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände», 1809.
126 so hatte man Schellings Versprechen einer Erzeugung der Natur aus dem Geiste heraus, das niemals erfüllt worden ist: Es dürfte sich um das Schicksal der Schrift «Die Weltalter» handeln, welche dazu bestimmt war, den tiefsten Erkenntnisgrund, zu welchem sich vor allem die «Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit» hindurchgearbeitet hatten, des Genaueren auszuführen als die Geschichte Gottes vor der Welt, in der Welt und nach
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126 der Welt. Schelling begann die Arbeit daran bald nach den «Untersuchungen», 1811 waren 11 Bogen gedruckt, dann wurde das Erscheinen der Schrift in Briefen wiederholt in Aussicht gestellt, 1815 sogar im Messekatalog angezeigt, aber Schelling nahm, was schon gedruckt war, immer zurück. Allmählich wurde es um die «Weltalter» still. Sie erschienen erst aus dem Nachlaß als Fragment: nur ein Buch statt der versprochenen drei. - Das Wort «Erzeugung» des angeführten Satzes ist aus dem Stenogramm nur unsicher zu lesen.




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