ANHANG
Aus dem Vorwort Marie Steiners zur ersten Auflage 1937
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«Wege zu einem neuen Baustil». Sie sollten das Verständnis vorbereiten für die besonderen Aufgaben,
die den für den neuen Bau arbeitenden Künstlern nun gestellt wurden. Eine von ihnen, die an den plastischen Arbeiten stark teilgenommen hat, Frau Assja Turgenieff-Bugaieff, bekannt durch die von ihr
geschliffenen farbigen Glasfenster des zweiten Baues, durch ihr Werk «Die Goetheanum Fenster-Motive» und durch ihre Radierungen, hat auf meine Bitte ihre Eindrücke aus jener ersten Arbeitszeit unter
Dr. Steiners Leitung niedergeschrieben. Sie geben in ihrer Unmittelbarkeit lebendig wieder, was in
ähnlicher Weise jeder Mitarbeiter Dr. Steiners auf seinem besonderen Arbeitsfelde erfahren hat. Sie
haben noch die Frische des damals erlebten Augenblicks: die freudige Erwartungsstimmung, die glücklichen Anfänge der Erfüllung, denen der Ausbruch der Völkerkatastrophe folgte, der Weltkrieg mit
seinem Jammer und seiner Not, das Durchhalten der am Orte Gebliebenen bei der Arbeit am Bau.
Wir bringen nun diese Erinnerungen als Nachtrag, zugleich mit den spärlichen Notizen einer Unterrichtsstunde im Schnitzen. Diese mag als ein Beispiel dienen für die Art, wie Dr. Steiner die Sache
anpackte und den Künstlern nahe brachte. Der Nachruf wahrt ihnen ihren intimen Charakter und
stellt sie in den Gesamtverlauf jener Arbeitszeit hinein. |
Nachwort zur ersten Auflage 1937 von Assja Turgenieff
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Bilder, doch lebensvoll, mit ergreifender Gegenwartskraft tauchen sie auf aus dem allgemeinen Stimmungsgehalt der Erinnerungen an jene so inhaltsschweren, so erschütternden Zeiten.
Denn zu groß, zu überwältigend, um in konturierten Gedächtnisvorstellungen festgehalten zu werden, waren diese ersten Monate der Arbeit am Goetheanum. Jeder Tag war ein Geschehnis, brachte
Neues im Entstehen dieses für unser Erleben bedeutendsten Werkes der Gegenwart. Und das mitten in
den sich ballenden, drohenden und dann in der Menschheitskatastrophe des Weltkrieges ausbrechenden Zerstörungsimpulsen. Wie ein mahnendes Gewissen steht das Bild Rudolf Steiners auf diesem
Hintergrunde.
Jung und alt, Berufskünstler, Dilettanten, aber auch viele, die der Kunst gegenüber bis dahin sich
eher als unbeschriebene Blätter verhalten hatten, eilten wir scharenweise im Frühjahr 1914 dem Dornacher Hügel entgegen. Aus den verschiedensten Erdgegenden, und aus noch verschiedeneren schicksalsmäßigen und kulturellen Zusammenhängen. Wie würde dieses Sprachengewirr einen gemeinsamen
Verständigungsboden finden? Nur eines lebte in jedem Gemüt, stand im Bewußtsein unerschütterlich
fest: hier in Dornach wird der Grundstein zu einem neuen Kulturwerk gelegt, denn Rudolf Steiner ist
der Begründer davon, und an diesem Werk sich zu beteiligen, danach verlangten die Hände. Und freudig tönte uns von weitem der Hammerschlag entgegen aus dem Netz von Gerüsten, welche die Umrisse des zukünftigen Baues auf dem Hügel andeuteten. Dem man wohl am öftesten auf diesem von
durchnäßtem Lehm bedeckten Hügel begegnete, war eben auch Dr. Steiner. Im Arbeitskittel und
hohen Stiefeln eilte er aus einer Werkstatt in die andere, ein Modell, einen Skizzenblock in der Hand,
hielt einen an mit einem freundlichen Wort oder Handgruß. Nur ein paar Künstler hatten schon mehrere Monate mit ihm gearbeitet, hatten Einblick in das zu Geschehende. Die meisten warteten in völliger Ahnungslosigkeit.
In dem von Brettern schon befreiten Betonunterbau leimten Arbeiter das schöne Holz zu kolossalen Blöcken zusammen. Grünlich-helle Weißbuche, goldig schimmernde Esche, rötlicher Kirschbaum,
dann bräunlich warme Eiche und Rüster, und wieder die helleren Farben von Ahorn und Birke. Jedes
Holz hatte seinen eigenen Geruch, jedes fühlte sich anders an unter der Hand.
Anfang März war es, als die Schnitzarbeit - zunächst an den Kapitellen in diesem Räume - in Angriff genommen werden mußte. Dr. Steiner fing diese Arbeit selber an. Wir versammelten uns im Kreise um ihn herum. Hoch auf zwei Kisten stehend, mit Meißel und Klöppel, schlug er langsam einen
Span nach dem andern von dem massiven Holz, das in seinen Umrissen ein Kapitellmotiv andeutete.
Er war ganz in seine Arbeit vertieft, als ob er die Bewegungen seiner Hände innerlich studierte, als ob
er dem Holz etwas ablauschen wollte. Und so verging eine Stunde nach der anderen, ruhig, ununterbrochen. Man war schon müde vom Stehen, ging weg, kam wieder. Er arbeitete weiter. Und langsam
schälte sich aus der Holzmasse eine plastische Form. Ab und zu schaute er ein kleines Kapitellmodell
an. Warum stand denn ein Zicklein aus Holz daneben? Mit solchen hatte ich als Kind gespielt. Manchmal stieg er von den Kisten herunter, schaute seine Arbeit an, sagte uns ein paar Worte. Da bekamen
wir auch das Zicklein näher zu sehen: es war eine russische Bauernarbeit. Er zeigte, wie verständnisvoll
und charakteristisch das Spielzeug in Flächen geformt sei. An dem Griff eines russischen Beiles, einer
Axt, sagte er auch, kann man viel lernen. Dort hat man noch ein Gefühl dafür, wie aus der schwingenden Bewegung vom Beil der Griff sich zu formen hat. Hier bei uns hat man immer weniger und weniger Sinn dafür. So wird der Griff zu einem geraden Stock.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 78
Am nächsten Tag stürzten sich alle auf die Arbeit. Jeder bekam Meißel und Klöppel - aber wie war
doch das Holz so hart und widerspenstig! Nach einer halben Stunde hatte man schon die Hände ganz
wund, und ohne sichtliche Resultate; es war, wie wenn eine Maus an dem Holz genagt hätte. Und
doch hatte auch Dr. Steiner gestern zum erstenmal so viele Stunden gearbeitet und so vieles geleistet.
Es galt aber auch den eroberten Platz zu behaupten, denn der Schüchterne wurde bald von den Hammerschlägen seines Nachbarn herausgeschoben.
Nach ein paar Tagen vergeblichen Kampfes kam Dr. Steiner und führte die Überflüssigen mit sich
in die Schreinerei zu den Architraven. Noch gewaltiger, wie unüberwindliche Festungen, standen die
unverständlichen Gebilde der zukünftigen Architrave da, entmutigend groß. Doch hatte man wenigstens Raum um sich.
In den Schreinereiräumen waltete bis auf weiteres eine Bildhauerin. Im kurzen Kasak, hohen Stiefeln, einen langen Holzspeer in der Hand, kommandierte sie über eine Gruppe von italienischen Arbeitern. So war man wiederum auf eigene Erfahrungen angewiesen, und es brauchte Zeit bis die Hände
lernten, Kraft durch Rhythmus zu ersetzen, das Holz gefügig zu machen, und vor allem, bis man den
Weg in den Modellraum fand, um sein Motiv zu studieren und zu messen.
Dieses Goetheanum-Modell - das einzige was von damals her erhalten blieb - in den ersten Zeiten
seiner Entstehung, wenn man unter die doppelten Kuppeln hineinschlüpfte, ja, man atmete seinen
Eindruck in sich ein, man wagte nicht mit seinen Gedanken an es heranzutasten. Und in der Überzeugung, daß die Gedanken es nicht erfassen könnten, legte man alles vorher Gewußte vor ihm ab.
So war man glücklich, seine Muskeln anspannen zu müssen, durchdrungen von der Stimmung:
Daß sich das größte Werk vollende
Genügt ein Geist für tausend Hände.
Doch nicht nur Arbeitsbegeisterung, viel Humoristisches, viel Dramatisches brachte der Tag mit sich.
Da sammelte sich in einer Ecke eine Gruppe in violettlich-getönten fließenden Gewändern: zierlich
bearbeiteten sie in feinen, holzwurmartigen Windungen einen massiven Block, der noch keine Spur von
plastischer Form erhalten hatte. In einer andern Ecke versuchte ein einsamer Künstler eine neue Flächenbehandlung: wie in ein dickes Schafsfell eingehüllt kam die Form heraus. Ein Sprachgelehrter ergriff
eine Axt und schlug sich erbarmungslos mit dem Holz herum. Da mußte überall Dr. Steiner helfen.
«So einen Ochsen hat man mir da gemacht. Ich würde die Nacht nicht schlafen, wenn ich das geschnitzt hätte», so charakterisierte er das unglückliche Unternehmen eines Dichters.
«In der linken Hand: das Gefühl, - fühlen Sie die Form mit dem Meißel; in der Rechten: die Kraft.
Das Zusammenwirken von beiden ist dabei das Wichtige. Studieren Sie die Blumenflächen, das sind die
besten Plastiker. Doch deswegen kann man keine Blumen plastisch wiedergeben. Ihr ganzes Gefühl
müssen Sie bewußt in der Bewegung der Fläche geben. Durchseelt muß sie werden - Seele muß in der
Fläche sein. Wie wird die Kante zwischen zwei Flächen herausfallen? Das dürfen Sie nicht vorher bestimmen, darauf müssen Sie neugierig warten. Warum wollen Sie symmetrische Formen? Ihre Nase ist
auch nicht symmetrisch. Schauen Sie doch Ihren Haarwirbel. Dadurch kommt aber inneres Leben
zum Ausdruck!» Am meisten verfolgte er die sich wölbenden, rundenden Flächen: «Astralisches Fett!
Das muß heraus! Es darf im Bau kein astralisches Fett geben.»
So ging er von einer Gruppe zur andern, aufmunternd, scherzend; doch immer sorgenvoller schien
der Augenausdruck. Viel Arbeit stand noch bevor - die Plastik der Außenwand, Motive über den Fenstern, Portale . . .
Auf den hohen Gerüsten, die den Bau umringten, von Licht und Luft umgeben, während der Meißel die plastische Rundung der Wand gestaltete, in der glühenden Hitze des August 1914, da eine
Kriegserklärung der andern folgte, fühlte jeder erst recht diesen Bau als ein Wahrzeichen höchster
Menschlichkeit, gegenübergestellt den in der Menschheit entfesselten, menschenvernichtenden Kräften.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 79
So rückte allmählich die nächste Aufgabe heran: Im Innern des Baues selbst, dieses Mal an Ort und
Stelle, die unterbrochene Arbeit an den Architraven weiter zu führen. Diese Arbeit leitete Dr. Steiner
und begleitete sie mit Bemerkungen, die uns durch notizartige Aufzeichnungen eines Stenographen erhalten sind (siehe Seite 81).
Im August 1914 sollte der Bau fertig sein, so war es intendiert. Und fieberhaft, mit Anspannung aller Kräfte ging die Arbeit vor sich. Doch zu groß war die Aufgabe, zu schwach waren die Kräfte.
Schon grollten von Ferne die Kanonen, schon waren durch die Kriegseinberufungen unsere Künstlerreihen gelichtet, als wir im Oktober die erste Etappe in unserer Arbeit erreichten, die in diesen «Notizen» festgehalten ist.
Noch im rohen Zustand, unfertig, endlich aber doch, wurden die Architrave über die Säulen gestellt, darüber die innere Kuppel gewölbt, und der Raum von Gerüsten befreit.* Und so standen wir
mit Dr. Steiner zusammen zum ersten Mal im Goetheanum darinnen. Das, woran wir bis dahin als an
einzelnen Bruchstücken monatelang gearbeitet hatten, schauten wir plötzlich um uns herum, zu einem Ganzen zusammengefügt, als ein noch nie dagewesener Raum. Ein Eindruck, der unauslöschlich
bleiben wird, überwältigend trotz aller Unfertigkeiten und Mängel. Und Mängel waren zur Genüge
vorhanden.
So hörten wir Dr. Steiners Lob und Tadel an - Lob, das ein tiefes Schamgefühl in der Seele weckte,
Tadel, der so herzlich und humorvoll, so aufmunternd klang. Wir hörten ihm zu .. . doch genau so
wichtig war das Anschauen. Sein Gesichtsausdruck, seine Geste, seine ganze Körperbewegung veranschaulichte, ergänzte das Nichtausgesprochene. Der Regenschirm half mit die Bewegung der Formen
zu verfolgen, und wenn es komplizierter wurde, mußte der weiche Filzhut, umgebogen und umgedreht, eine plastische Biegung verdeutlichen.
Mangelhaft sind die hier erhaltenen «Notizen». Doch werden sie trotz der Lücken, die das Gedächtnis nicht mehr auszufüllen vermag, ein Dokument bleiben dafür, wie frei und genau, wie immer von
unmittelbarem Erleben ausgehend, Rudolf Steiner eine Reihe von jungen Mitarbeitern als Künstler
anleitete.
Dieser 12. Oktober 1914, als der Tag im Leben des Goetheanum-Baues, wo wir, zum ersten Mal in
ihm drinnenstehend, die Architrave erblickten, ruft unwillkürlich die Erinnerung an einen andern Tag
wach, jenen Tag, in dem der Bau zum letzten Mal vor uns stand in unvergeßlicher, aber grauenvoller
Schönheit. In der Morgendämmerung des Neujahrtages 1923 ruhte noch der doppelte Architravenring, von den Flammen der Silvesternacht durchloht, durchsichtig wie glühendes Glas auf den lichtgewordenen Säulen. Jetzt wölbte sich der Himmel über ihm. Nicht mehr einzelne Motive - sie waren in
den Flammen zerschmolzen -, doch der ganze Grundriß stieg auf zur nächtlichen Bläue im strahlenden Gold. Nur ein Augenblick letzter Verherrlichung.
Dr. Steiner ging den Hügel hinauf, langsam, gebeugt - er, der so leicht bis dahin über die Erde
schritt. An seinem zerstörten Werk vorbei wandte er sich zum Atelier. Es war vieles zu ordnen nach
dieser Vernichtungsnacht, denn die Arbeit mußte ununterbrochen weitergeführt werden.
* Siehe Hinweis auf Seite 88. |
Besprechung der Schnitzarbeiten an den Architravmotiven der großen Kuppel Dornach, 12. Oktober 1914 (Stenographische Notizen von Rudolf Hahn)
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haben wir unten ein Stück Grund zugegeben. Und erst aus dem Vertikalen des Grundes setzt
sich in das Gewölbe hinein die Biegung fort. Zwischen der dritten und vierten Säule geht direkt das Motiv in das Gewölbe über; das bleibt bei allen Säulen-Zwischenräumen. Es beginnt
bei der zweiten und dritten Säule. Man müßte zwischen der ersten und zweiten Säule herausarbeiten das eine Stück des Gewölbes, das vertikal ist. Es ist durchaus notwendig, daß wir
diese Spitze, die zu leicht herausgekommen ist, versuchen mehr herauszuarbeiten.
Dann bitte ich Sie, nun Ihr Augenmerk auf etwas zu richten, was sehr wichtig ist. Wenn
Sie das Modell anschauen, finden Sie da eine Art von Tropfen, der von oben nach unten
hängt. Sie finden ihn, wenn Sie der linken Fläche der zweiten Säule nach aufwärts folgen.
Wenn Sie den Tropfen am Modell verfolgen, werden Sie finden, daß dort dieser Tropfen da
oben beginnt und sich so hinüberneigt. Dieses eigentümliche Herüberneigen ist noch gar
nicht herausgekommen: der Tropfen hängt falsch, ganz senkrecht. Selbstverständlich brauche
ich nicht zu erwähnen, daß die einzelnen Motive erst ineinander gearbeitet werden müssen.
Wenn wir die zweite Säule beachten und längs der rechten Fläche der zweiten Säule nach
oben gehen, haben wir da ein Motiv, das als das innerste Motiv herüberlenkt von dem Motiv
zwischen der zweiten und dritten Säule, und das in einem nach unten und rechts ausbiegenden Kopf endet. Dieses Motiv wird uns, wenn wir oben sind, noch einige Schmerzen machen,
denn in diesem Motiv sehen wir noch im Modell in der Mitte eine Einsenkung, eine Einbuchtung sich hineinarbeiten. Dann müssen wir den Blick auf den linken und den rechten Kopf
werfen. Der linke Kopf muß so hineingearbeitet werden, daß er ganz sanft ausgeht, er muß
noch etwas schlanker werden. Zwischen dem linken Kopf, der sich nach unten links senkt,
und dem rechten Kopf findet man, wenn man das Motiv betrachtet, daß es eine gewisse
Schlankheit hat, so daß es von links nach rechts nicht so übergehen darf über den Grund wie
jetzt, sondern hineingearbeitet werden muß. Flächen müssen so sein, daß man davon das Gefühl hat, sie tauchen konkav in den Grund unter, während sie jetzt konvex untertauchen.
Dann müssen wir besonders auf eines achten, wenn wir dieses Motiv nehmen, das durchgeht über den Grund hin. Sie nehmen den Arm - den von links zwischen der dritten und vierten Säule beginnenden Arm -, der wie eine Schlange hinübergeht bis in die Mitte der zweiten
Säule; wenn wir dieses Motiv im Modell studieren, finden wir, daß der ganze Duktus dieses
Motivs nicht stimmt. Im Modell greift es nur wenig nach oben, es muß der höchste Punkt unter diesem Punkt deutlich liegen für den Aspekt. Und dann muß erreicht werden, daß dieser
Punkt der linkeste Punkt werden muß; wie das Modell zeigt, darf er nicht unterhalb dieses
Die seitlichen Ziffern beziehen sich auf die Abbildung 8, Architravmodell der großen Kuppel. Sie sind von den Herausgebern
eingefügt worden und als Versuch zur Erleichterung des Verständnisses gedacht und nicht bindend.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 81
Punktes liegen. Also wenn Sie zwischen der zweiten und dritten Säule hinaufgehen, da wo
sich dieses Schlangenmotiv am höchsten wölbt, da ist ein Punkt, der zu hoch ist; da muß
durch Abtragen der oberen Fläche das ganze Motiv die richtige Richtung erhalten.
Ein Motiv, das über den Säulen zusammengesetzt ist - es ist gerade genau über der Kante
der dritten Säule -, dies Motiv, das sich unter dem Einziehungs- und Wulstmotiv entwickelt
hat, wenn Sie es nehmen, wie es nach dem Modell sein soll. Hier hat es eine wirklich patzige
Breite; im Modell hat es eine gewisse Schlankheit, besonders im unteren Gliede. Das macht,
daß es nach oben viel schlanker ausläuft, viel dezenter ist als dort oben in seiner furchtbaren
patzigen Breite. Die Korpulenz muß ihm dadurch genommen werden, daß wir die Kante
wegschlagen. Dann kriegen wir die nötige vollkommene Schlankheit heraus, die herauskommen muß.
7 Wenn Sie nun von diesem lang hingezogenen Schlangenmotiv zu dem gehen, was dann
rechts von ihm ist, was dann hinübergeht, sich hinüberwindet zu dem unteren Motiv: im
Modell ist da eine doppelte Krümmung, die ich etwa so charakterisiere, daß ich sage: zuerst
geht es so herauf und kehrt sich etwas hin, dann überschlägt es sich und krümmt sich hier hin,
es überbiegt nach dem Schlangenmotiv. Etwas muß noch herauskommen. Wenn Sie erst das
Motiv zwischen der dritten und vierten Säule anschauen, und wenn Sie diesem Motiv folgen,
das rechts von dem Kuppelmotiv beginnt und sich herüberbiegt um sich zu vereinigen, werden Sie sehen, daß es eine eigentümliche Art des In-sich-selber-Hineingehens hat; das bitte ich
besonders am Modell zu studieren. Das taucht hier unter, ist so, daß es wirklich in sich unter8 taucht und rechts hervorkommt; So wird auch dieses Motiv begriffen, wenn wir es vergleichen mit dem eben vorher gezeigten Motiv, das zum links liegenden Motiv herübergeht. Diese
zwei Motive entsprechen sich, man kann diese Motive nur richtig studieren, wenn man klar
darüber ist, daß solche Motive, die im Räume kollidieren möchten, ähnliche Konfiguration
haben. Das, was sich an das Schlangenmotiv anschließt bis zu dem Wulst über der ersten
Schlange, müssen Sie so ansehen: dann werden Sie schon finden, daß in diese Windungen, die
da darin sind, das Motiv drinnen ist, das sich unmittelbar rechts anlehnt. Studieren Sie die
Zusammenhänge der Motive überall.
9 Wir werden noch viel zu tun haben, wenn wir ganz herauskriegen wollen dieses subtile
Übergehen in der Folge des Wulstes, der hier noch ganz unnatürlich ist. Sie sehen es doch
langsam und allmählich übergehen.
10 Etwas, ich möchte sagen, wo man schon das Gefühl hat: es ist vieles gelungen . . . etwas ist
in dem Motiv, das hier beginnt, nach links herübergeht zwischen der vierten und fünften
Säule und da übergreift. Dieses Motiv ist, auch von hier unten gesehen, schon außerordentlich
gut gelungen, an dem ist vielleicht am wenigsten zu tun. Das, was noch zu tun ist an diesem
10a Ort, ist in dem Motiv, das darunter liegt, das natürlich völlig im Einklang stehen muß.
Innerhalb der vierten und fünften Säule da haben Sie das, was darunter ist, was unmittelbar
ins Gewölbe übergeht. Wenn Sie die linke Partie nehmen, so fehlt an dieser linken Partie
dieser Vorsprung, der dem Ganzen den eigenartigen Charakter leiht. Es muß ein eigenartiger
Vorsprung drin sein. Wo es an die Schlange anschließt, bildet es - wie wenn es nach unten
ausbiegen würde - durch den Stoß eine Art von Köpfchen in diesem Motiv. Das fehlt hier,
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 82
obwohl eine Einwölbung da ist, die eigentümlich wiederum in sich verläuft, so daß ich sagen
möchte: sie verläuft nach hinten und nach oben zugleich, was überhaupt zu beachten ist, wo
die Flächen nach zwei Richtungen zugleich verlaufen. Im rechten Teil desselben Motivs muß
das, was übergeht über das Gewölbe noch höher gelegt werden, so daß deutlich hervortritt 10b
das Höhergelegtsein.
Nur noch das eine hätte ich zu sagen: Ein klein wenig müßte noch weggenommen werden
in der rechtesten Partie des so sehr gelobten Motivs, was ja am Modell deutlich zu sehen ist. 11
Jetzt bitte ich, das Auge zu richten auf den Zwischenraum im Architrav zwischen der fünften und sechsten Säule, von links. Da werden Sie bemerken: die Anpassung des untersten Mo- 12
tivs, das in das Gewölbe übergeht und desjenigen, das als höchstes darüber liegt… ist gut; 13
das, was dazwischen liegt, bringt den Duktus der darin liegt, der gegen den kleinen Raum 14
zugeht - dieses wuchtige Nach-oben-Ausgreifen -, das bringt das mittlere Motiv nicht heraus.
Das muß noch hineingearbeitet werden; das muß darin liegen, dieses Ausgreifen, sowohl nach
oben als auch nach vorne.
Dann kommen auf das Motiv folgend zwei Tropfenmotive über der vorletzten Säule. Bei 15
dem muß ganz besonders beachtet werden der Charakter des Zwischenraumes zwischen beiden. Wenn Sie den Charakter am Modell studieren, werden Sie finden, daß er tief hineingehen
muß, noch hineingearbeitet werden muß. Aber außerdem ist ein Unterschied, ein wesentlicher Unterschied zwischen dem - von hier gerechnet - linken Tropfen und jenem rechts.
Der rechte Tropfen hat eine starke Ausladung. Hier ist er wiederum ganz senkrecht und in
seinem unteren Teil hat er eine starke Ausladung; nach dem Ausgang zu darf er nicht so
senkrecht sein, soll er eine Ausladung bekommen, denn diese Ausladung gehört gerade im
wesentlichen zu seinem Charakter.
Die oberste Wölbung zwischen den beiden letzten Säulen sehen Sie sich an. Wenn Sie diese
am Modell studieren, werden Sie finden, daß sie gerade dieses Eigentümliche hat: wenn ich sie
im Querschnitt machen würde, würde ich sie so machen, daß sie hineingeht und noch liebevoller herüberreicht. Sie muß noch hineingearbeitet werden in den Grund. Wenn Sie hier noch
so genau sehen, wenn Sie hier hinaufsehen, können Sie nicht hineinschauen zwischen dem
zweiten und dritten Motiv, was erst erreicht werden kann, wenn die unterste Fläche des obersten Motivs, also nicht des Wulstmotivs, hineingearbeitet wird, so daß es tiefer hineinkommt.
Hier überdeckt noch zu stark das zweite Motiv das erste. Das ist wohl zu beachten, weil da
noch sehr wenig gemacht ist. An den beiden Tropfen über der allerletzten Säule ist das Allercharakteristischste die eigentümliche Schlankheit des rechten; sie ist schon etwas herausge- 16
kommen. Dann aber muß der linke, der der letzte ist, an den sich unmittelbar das Tormotiv 17
anschließt, sorgfältig studiert werden. Der hat nun wirklich auch nach unten und nach oben
hin diesen eigentlichen doppelt gewölbten Charakter, heraus und herüber. Das kann man
auch machen, dort ist genügend Holz.
Nur noch etwas abgeplättet, weil es sonst gut ist, muß das Tormotiv selbst werden. Es ist
mit einer gewissen Sorgfalt herausgekommen, es braucht nur abgeplättet zu werden.
Das muß ich auch noch erwähnen: Wenn Sie noch einmal an das aufdringlich patzige korpulente Motiv gehen, kommen Sie, links gehend, gegen die Bühne zu an das noch wenig ausCopyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 83
geführte Motiv zwischen der zweiten und dritten Säule, von links gerechnet. Da muß man
überall studieren die eigentümlichen Kurven, die darin liegen. Wenn Sie sie im Modell studieren, werden Sie sehen, daß hier eine herausgeht und hier eine korrespondierend hineingeht.
Das ist gar nicht herausgekommen. Herauskommen müßte es gerade, indem diese Schlange
doppelt ausbiegt, nach unten ausbiegt und hinaufbiegt im Zwischenraum zwischen der zweiten und dritten Säule. Was darunter liegt, hat ganz eigenartige Windungen.
Man muß bei diesen Dingen immer mehreres beachten. Man muß das unterste Motiv beachten, das in das Gewölbe übergeht, man muß die Schlange beachten, die macht, daß dieses
Motiv seine Form bekommt. Dadurch, daß diese Schlange eigentlich gerichtet ist gegen den
kleinen oder Kuppelraum, dadurch kommen alle diese Wölbungen heraus. Gerade dieses
eigentümliche Herausgebogensein kommt zwischen der zweiten und dritten Säule.
Wenn wir den Blick nach links richten, sehen wir auch diese tiefe Furche zwischen dem
allerersten Motiv, das übergeht in das Tormotiv; wir sehen, daß da dieser Kopf eigentlich gar
nicht herauskommt; der muß herausgearbeitet werden, und der Tropfen nach oben muß viel
schlanker sein. Überhaupt zeigt sich jetzt, daß wir merkwürdig korpulente Anlagen haben.
Hier am Modell ist deutlich zu sehen, daß der Tropfen viel schlanker werden muß. Das, was
über den Tropfen übergreift, muß sich anschließen; es müßte das eine dem andern entsprechen. Das sehen Sie deutlich am Modell, wie der Tropfen völlig beschützt ist, und wie die
Spitze wirklich angedeutet ist in der Einbuchtung, die diese Spitze bewirkt in der Fläche.
Überhaupt daran müssen wir uns schon halten: man bekommt Hohlformen heraus an diesen
Dingen dadurch, daß man die angrenzenden Erhebungsformen studiert. Indem man studiert,
wie die in der Nachbarschaft befindlichen Erhebungsformen die Hohlformen in der Nachbarschaft bewirken, sieht man, wie die eine in die andere übergeht. Eine Fläche wirkt auf die
andere ein, ist das Gegenstück der anderen; dies muß im großen zum Ausdruck kommen. Das
ist dieses Eigenartige, was Sie sehen, was Sie stark gewahren können an diesen ersten Säulen
von rechts, welche den Fortschritt zusammensetzen von West nach Ost. In dem Duktus der
drei Architrave, die in das Gewölbe übergehen, ist er noch stark zu bemerken, hier wird er
schwächer, hier macht er zusehends Halt. Und hier in der Mitte, da drückt schon wieder der
Bühnenraum heraus, da fühlt man die Kraft, die von Osten herüberkommt; die übergreift
sich am meisten in dem, wo wirklich die Kampfstelle ausgeprägt ist. Wenn Sie das Merkurmotiv auf den Architraven und an den Säulen nehmen, haben Sie die Kampfstelle. Da kommt
die Entwickelung, das Zurückbleiben, das Alter der Hierarchien zum Ausdruck.
Es hat eine sehr tiefe Bedeutung, daß das Schlangenmotiv nicht über der Merkursäule ist,
daß das Schlangenmotiv ganz seitlich verschoben ist. Als ich das bemerkte, etwa acht oder
vierzehn Tage nachdem ich es gemacht habe, war ich wirklich im höchsten Grade überrascht,
wie aus den geistigen Welten heraus die Dinge wirklich richtig kommen, auch wo es nicht
bewußt beabsichtigt ist. Natürlich, würde ich das nach abstrakten Gesetzen gearbeitet haben,
so wäre das Schlangenmotiv nicht hier, sondern über der Merkursäule. Aber so wie die zurückbleibenden hinter den fortschreitenden Wesen bleiben, so muß das Schlangenmotiv hier
hinter der Merkursäule zurückbleiben.
Ich war im höchsten Grade überrascht, wie die Kunst dem Okkultismus entspricht. Acht
Tage nachdem ich es gemacht hatte, entdeckte ich erst, daß es so herausgekommen ist, und
daß es so sein mußte.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 84
Damit hätten wir das Prinzipielle dessen, was wir herausarbeiten müssen, durchgearbeitet.
Notwendig ist, daß wir natürlich so ohne Pedanterie arbeiten.
Das ist das Charakteristische, daß der Bau eine Symmetrieachse hat und insofern also einem
Organismus entspricht. Sie werden sie sonst nicht leicht finden, weil so ohne Wiederholung
längs dieser Symmetrieachse die Motive angebracht sind. Man muß innerlich im Ätherleib
mitarbeiten, muß die Intentionen miterleben im Arbeiten, besonders wenn asymmetrische
Formen da sind. Das gehört zu den Motiven dazu. Man muß sich in das künstlerische Wollen
hineinarbeiten bis in die Finger-, die Zehen- und die Nasenspitze; man muß das Künstlerische
fühlen bis in die Ohrläppchen hinein. |
Hinweise
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wurden folgende Unterlagen verwendet:
Vortrag 1 (10. Oktober 1914): Nachschriften von Rudolf Hahn und von zwei weiteren, namentlich nicht
bekannten Persönlichkeiten, sowie Kurznotizen von Louise Boese.
Vortrag 2 und 3 (18. und 19. Oktober 1914): Nachschrift Franz Seiler, von Rudolf Steiner handschriftlich mit
Korrekturen versehen. Diese beiden Vorträge waren in der Auflage 1937 nach Nachschriften von unbekannter
Hand gedruckt worden, welche wegen ihrer Mängel an einigen Stellen durch Elisabeth Vreede stark redigiert
worden waren. In der vorliegenden Neuauflage wurde dieser Text durch die von Rudolf Steiner durchgesehene
Nachschrift ersetzt.
Vortrag 4 und 5 (24. und 25. Oktober 1914): Nachschriften von Franz Seiler, Clara Michels, Louise Clason, eine
Mitschrift von unbekannter Hand sowie Kurznotizen von Louise Boese.
Besprechung vom 12. Oktober: Die Besprechung der Schnitzarbeiten wurde von Rudolf Hahn mitstenographiert. Seine Textübertragung enthält gewisse Mängel, die sich aus den sehr schwierigen Umständen erklären,
unter denen diese Notizen entstanden sind. Man muß sich wohl vorstellen, daß Rudolf Steiner nicht von einem
Rednerpult aus sprach, sondern während des Sprechens auf Einzelheiten der Architrave von unterschiedlichen
Standorten aus hinwies. In der Auflage 1937 hatte Assja Turgenieff die Angaben Rudolf Steiners ihrem Nachwort eingearbeitet und dabei versucht, Unklarheiten in der Textübertragung durch kleine Änderungen verständlicher zu machen. Für den vorliegenden Neudruck wurde bewußt darauf verzichtet, die Mängel in dem vom
Stenographen übertragenen Wortlaut zu ergänzen, zu korrigieren oder zu interpretieren. Die Notizen mögen als
Anregung und «als ein Beispiel dienen für die Art, wie Dr. Steiner die Sache anpackte und den Künstlern nahebrachte» (Marie Steiner im Vorwort zur ersten Auflage).
Zu den Zeichnungen im Text: Die Originalzeichnungen Rudolf Steiners existieren nicht mehr. Damals zeichnete er noch nicht, wie später, auf abnehmbares schwarzes Papier, sondern direkt auf die Wandtafel. Die Wiedergaben der Zeichnungen durch die Mitschreiber sind nicht einheitlich, doch ist daraus zu ersehen, wie Rudolf
Steiner in skizzenhafter Art die besprochenen Formen an der Tafel andeutete. Die von Leonore Uhlig neu
erstellten Zeichnungen wollen versuchen, den skizzenhaften Charakter der Wandtafelzeichnungen zu wahren.
Der Titel des Bandes wurde von Marie Steiner für die 1. Auflage gegeben.
Werke Rudolf Steiners innerhalb der Gesamtausgabe (GA) werden in den Hinweisen mit der BibliographieNummer angegeben. Siehe auch die Übersicht am Schluß des Bandes.
zu Seite
10 etwas, das uns so tieferschüttert hat: Am Abend des 7. Oktober 1914 (Mittwoch) war der Sohn eines Dornacher Mitgliedes der Anthroposophischen Gesellschaft, der siebenjährige Theo Faiß, durch einen umstürzenden Möbelwagen ums Leben gekommen, ohne daß es zunächst bemerkt wurde, da es bereits dunkel
war. Der Knabe, der um diese Zeit für seine Mutter einen Gang zu machen pflegte, nahm sonst immer
einen anderen Weg.
12 Zitate aus Goethes «Faust I», 354-359, 243.
die Lewes: George Henry Lewes, schrieb «The Life and Works of Goethe», 1855; deutsche Übersetzung
«Goethes Leben und Schriften», Stuttgart 1857. Über dieses Buch schreibt Herman Grimm in seinem
Essay «Friedrich der Große und Macaulay», 1858, in «Fünfzehn Essays», 1874 wörtlich: «Ist das Goethe,
über den Lewes zwei Bände geschrieben hat? Ich dächte, wir kennten ihn anders. Der Goethe des Mr.
Lewes ist ein wackrer englischer Gentleman, der zufällig 1749 zu Frankfurt auf die Welt kam und dem
Goethes Schicksale angedichtet sind, so weit man sie aus erster, zweiter, dritter, fünfter Hand empfangen
hat, der außerdem Goethes Werke geschrieben haben soll. Das Buch ist eine fleißige Arbeit, aber von dem
Deutschen Goethe steht wenig darin.»
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 86
12 auch im letzten Vortrage: Am 7. Oktober 1914 «Das Zeitalter Herman Grimms als Zeitalter der Erwartung», einzeln erschienen mit dem Titel «Zeiten der Erwartung», Dornach 1935, in der Gesamtausgabe
vorgesehen für die zweite Auflage von GA Bibl.-Nr. 156 «Okkultes Lesen und okkultes Hören».
«Die Rätsel der Philosophie in ihrer Geschichte als Umriß dargestellt». Zugleich neue Ausgabe des Werkes
«Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert», ergänzt durch eine Vorgeschichte über abendländische Philosophie und bis zur Gegenwart fortgesetzt. Verlag Siegfried Cronbach, Berlin 1914. Jetzt
Bibl.-Nr. 18 der Gesamtausgabe.
14 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag: Der Verlag wurde im Jahre 1908 von Marie Steiner-von Sivers
begründet, ausschließlich zur Herausgabe der Werke Rudolf Steiners (ursprünglicher Name: PhilosophischTheosophischer Verlag).
Herman Grimm … das Schnarchen der Hera: In seinem Buch «Homers Ilias», 2. Gesang, Berlin 1890.
14 ff. Die Zitate Homers sind entnommen dem 2. Gesang der «Ilias» nach der Übersetzung von Heinrich Voß.
16 vor ein paar Tagen davon gesprochen: In den Vorträgen über «Okkultes Lesen und okkultes Hören», Dornach 3. bis 6. Oktober 1914, in GA Bibl.-Nr. 156.
17 «Die Rätsel der Philosophie»: Siehe Hinweis zu Seite 12.
18 «Die Philosophie der Freiheit» (1894), GA Bibl.-Nr. 4.
«Die Geheimwissenschaft im Umriß» (1910), GA Bibl.-Nr. 13.
24 Die Schrift Campanellas «Der Sonnenstaat» wurde im Jahre 1602 geschrieben, sie erschien 1612.
26 Gotthold Ephraim Lessing über die Einheit der Zeit, des Ortes und der Handlung: In «Hamburgische Dramaturgie», insbesondere 44. bis 46. Stück.
27 in meinem Vortragszyklus über die Volksseelen: «Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhange
mit der germanisch-nordischen Mythologie». Elf Vorträge, Kristiania (Oslo), 7. bis 17. Juni 1910, GA
Bibl.-Nr. 121.
28 «Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung» (1904), GA Bibl.-Nr. 9.
30 .. . in der ersten Auftage meiner «Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert», Band I,
erschienen 1900; in späteren Auflagen als Teil I von «Die Rätsel der Philosophie in ihrer Geschichte als
Umriß dargestellt», GA Bibl.-Nr. 18. Siehe auch Hinweis zu S. 12.
31 ein mitteleuropäischer Universitätslehrer: Eugen Kühnemann, Philosoph und Literarhistoriker. «An die
deutsche Jugend im Weltkriegsjahr 1914», Rede vom 18. August 1914, Leipzig 1914.
35 Zitate aus Goethes «Faust»:
«Wer immer strebend sich bemüht»: II. Teil, 5. Akt, Bergschluchten, 11936.
«Nur der verdient…»: II. Teil, 5. Akt, Vorhof des Palastes, 11575.
«Da steh ich nun. ..»: I. Teil, 1. Akt, Nacht, 358.
36 Vortrag in Hermannstadt: Am 29. Dezember 1889; vgl. «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe»,
Nr. 61/62, Ostern 1978.
37 Voltaire schrieb in einem Briefe vom Jahre 1768: An Horace Walpole, zitiert nach Herman Grimm «Voltaire
und Frankreich», Abschnitt 7, enthalten in «Fünfzehn Essays», Gütersloh 1884.
Schreiben Schillers an Goethe: Vom 23. August 1794.
ein kleines Gedicht Voltaires: Siehe Herman Grimm a.a.O.
3 8 bei den großen polnischen Männern: Adam Mickiewicz, bedeutender Dichter und Mystiker. Juliusz Slowacki,
Andreas Towianski, Dichter; alle drei waren Vertreter des polnischen Messianismus.
41 Wilhelm Wundt, Zitat aus «Über den wahrhaften Krieg», Leipzig 1914.
44 Wladimir Solowjew, Übersetzungen: Von Nina Hoffmann, Leipzig 1907, von Ernst Keuchel, Dresden 1911
und Riga 1912; von Frau von Vacano unter dem Pseudonym Harry Köhler, Jena 1914.
45 Voltaire: «Wenn Gott nicht existierte…»: «Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer.» Epitre a l'auteur du
nouveau livre des trois imposteurs, 1769, Vers 22.
Copyright Rudolf Steiner Nachlass-Verwaltung Buch: 287 Seite: 87
45 Michael Alexander Bakunin: Zitate aus «Gott und der Staat». Ein Wort zum Austritt aus der Landeskirche,
Berlin o.J. Wörtlich: «Wenn Gott existierte, so müßte man ihn abschaffen», a.a.O. Seite 15. «Wenn Gott
ist, so ist der Mensch Sklave, oder der Mensch kann, soll frei sein, alsdann existiert Gott nicht. Ich möchte
den sehen, der aus diesem Zirkel herauskommt - und jetzt wähle man», a.a.O. Seite 14.
was der Teufel zu Iwan Karamasow sagt: F. M.Dostojewskij, «Die Brüder Karamasow». Elftes Buch, Kapitel 9
«Der Teufel, Iwan Feodorowitschs Alp».
Maxim Gorki. Zitate aus «Nachtasyl».
Die Zitate von Voltaire, Bakunin, Dostojewski) und Gorki wurden von Rudolf Steiner vermutlich dem
Buch «Der Anmarsch des Pöbels» von Dmitri Mereschkowski (München/Leipzig 1907) entnommen.
47 Theodore Roosevelt, von 1901 - 1909 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Friedrich von Bemhardi, General der Kavallerie. «Deutschland und der nächste Krieg», Stuttgart/Berlin
1912, Zitat Seite 22.
48 englische Theologen schrieben an Professor Harnack: Professor Adolf von Harnack veröffentlichte seine im
Berliner Rathaus am 11. August 1914 gehaltene Rede zur «deutsch-amerikanischen Sympathiekundgebung»
zusammen mit dem Brief der englischen Theologen in englischer Sprache und in deutscher Übersetzung
sowie seine Antwort hierauf in «Internationale Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik»,
1. Kriegsheft, 1. Oktober 1914.
49 «Die Weisheit ist nur in der Wahrheit»: Goethe «Sprüche in Prosa» 1. Abteilung. «Das Erkennen». Rudolf
Steiner wählte diesen Goethe-Satz als Motto für die Grundsätze, welche er 1912 der Anthroposophischen
Gesellschaft gab.
53 in den Vorträgen . .. über «Okkultes Lesen und okkultes Hören»: GA Bibl.-Nr. 156, insbesondere am 6. Oktober 1914.
57 Sphinxrätsel: In der Odipus-Sage ist die Sphinx ein geflügeltes Ungeheuer, Tochter des Typhon und der
schlangengestalteten Nymphe Echidna. Sie lagerte vor Theben auf einem Felsen und legte den Bewohnern
der Stadt Rätsel vor. Wer diese nicht lösen konnte, wurde von ihr gefressen. Das Sphinxrätsel: Welches
Geschöpf wechselt allein die Zahl seiner Füße; es ist am Morgen vierfüßig, am Mittag zweifüßig, am Abend
dreifüßig? - wurde von Odipus gelöst, der ihr antwortete «Das Rätsel ist der Mensch!», worauf die Sphinx
sich selbst vom Felsen herab in den Tod stürzte.
63 «Okkultes Lesen und okkultes Hören»: Siehe Hinweis zu Seite 53.
64 Ich habe schon früher in Vorträgen: In «Wege zu einem neuen Baustil», GA Bibl.-Nr. 286, insbesondere am
26. Juni 1914 «Die schöpferische Welt der Farbe».
65 «von der Schlange essen»: Dieses Motiv ist vor allem aus dem Grimmschen Märchen «Die weiße Schlange»
bekannt.
67 Thetis,… Zeus in Äthiopien: Homer, Ilias, 1. Gesang.
72 in den Vorträgen über «Okkultes Lesen und okkultes Hören»: GA Bibl.-Nr. 156, Seite 75/76.
74 Himmel und Erde werden vergehen: Mark. 13, 31; Luk. 21, 33.
79 eine Bildhauerin: Edith Maryon, 1872 - 1924.
Daß sich das größte Werk vollende: Goethe, «Faust» II, 5. Akt, 11509.
80 und der Raum von Gerüsten befreit: Ein Mitarbeiter am Bau - Max Benzinger - berichtet, daß das Innengerüst danach nochmals aufgebaut wurde, um die Architrave fertig zu schnitzen. Eine Mitarbeiterin -
Käthe Knetsch - schreibt (Nachr. Bl. Nr. 14, 2. 4. 1939): Ein großer Moment in der Geschichte des Baues
kam für uns auch, als zum ersten Mal für eine Korrektur die Gerüste herausgenommen wurden. Das geschah erst im großen Kuppelraum, später im kleinen. Wir kamen alle zu einer bestimmten Stunde zusammen und sahen nun zum erstenmal den großen Kuppelraum so, wie man ihft nachher immer sehen sollte.
Herr Doktor besprach dann die Arbeiten der Reihe nach, und sein armer Hut wurde gedrückt und gewunden, um uns zu demonstrieren, was er in bezug auf Biegungen und Neigungen der Flächen meinte. Man
kann diese Korrekturen nachlesen in dem Buche «Der Dornacher Bau als Wahrzeichen künstlerischer
Entwicklungsimpulse». |